Ein Interview
November 2024 in der Gemeinde Seehof.
Das erste „Wintercafé“ in Seehof hatte für die älteren Mitbürger geöffnet. Wie es war und ob es so bleiben soll in den nächsten Wintermonaten, dazu hat eine der Initiatorinnen dieses Projektes ein Interview für die Webseite dggseehof.com gegeben.
In einem Schweriner Café trafen wir Helga Kruse.



Fotos: pmartin / im „tisch“
Frage: Man kann wohl sagen, dass du eine ganz tolle Initiative gestartet hast! Du sagtest einmal, dass du in deinem Berufsleben oft konkret und schnell entscheiden musstest. Ist das jetzt in deinem Ruhestand immer noch so?
Helga: Ja, ich mache mir oft Gedanken, wie schnell ich etwas umsetzen kann und ob das dauerhaft sein könnte. Es muss alles gut durchdacht sein. Wir haben überlegt, wie viel Leute kommen, wie viel Kuchen muss gebacken werden, reicht das aus?
Frage: Also ist die Eigenschaft, Dinge einfach anzupacken und schnell zu einer Entscheidung zu kommen, wirklich deine Art, und die ist auch immer so geblieben?Helga: Genau. Ich glaube, das können alle, die mich näher kennen, bestätigen.
Frage: Du hattest im Oktober angekündigt, gemeinsam mit weiteren Initiatoren ein „Wintercafé“ für ältere Bürger ins Leben zu rufen. Wintercafé klingt fast romantisch. Man spürt schon den frischen Kaffeeduft, das Kerzenlicht und vielleicht auch Schneeflocken. Auf alle Fälle ein sehr schöner Begriff!
Helga: Ja, ich habe auch lange überlegt, denn ich finde zum Beispiel den Begriff Seniorencafé ganz schrecklich. Und dann kamen wir auf den Begriff Wintercafé, weil wir es eigentlich nur im Winter machen wollen. Der Hintergrund ist, dass es in dieser Jahreszeit dunkel, kalt und ungemütlich ist, und die Leute eher zu Hause hinter dem Ofen sitzen. Für die Seniorinnen und Senioren ist das Café auch gedacht, aber im Titel wollte ich es nicht gerne haben. Es sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass man auch zu dieser Jahreszeit einfach Nachbarn trifft und mit ihnen erzählen kann.
Frage: Was hat dich überhaupt dazu gebracht, so etwas zu initiieren? Was war dein Antrieb? Was war deine Motivation dafür?
Helga: Ich dachte, das ist einfach notwendig im Dorf!
Und das fand ich, ist die einfachste Lösung. Einen Raum zu suchen, wo man sich treffen kann, einen Kaffee und Kuchen bekommt.
Frage: Und du hast dir also gesagt: Ich finde das gut, ich traue mir das zu und ich packe das einfach an?
Helga: Ja, hab ich gemacht!
Frage: Die nächste Frage wäre – Gemeinschaft, welche Rolle spielt Gemeinschaft für dich generell, aber auch hier im Dorf?
Helga: Gemeinschaft hat für mich eine große Bedeutung. Wir haben zum Beispiel einen riesigen Freundeskreis. Wenn wir Geburtstag feiern, dann kommen locker so 20 Leute zusammen. Also das spielt für mich wirklich eine große Rolle. Das war auch schon früher im Betrieb so. Ich wollte immer, dass alle, die an einem Projekt arbeiten auch wissen, welches Rädchen sie in dem System sind. An jedem Freitag haben wir gemeinsam darüber gesprochen, welche Vorhaben anstehen, was als Nächstes auf uns zukommt, und welche Aufgaben jeder hat. Es war mir immer wichtig, dass jeder sich für das Gemeinsame verantwortlich fühlt.
Frage: Also es ging dir nicht nur darum, dass man einfach zusammensitzt und Kaffee trinkt, sondern dass jeder sich auch als Teil des Ganzen fühlt?
Helga: Ja genau, das ist auch die Grund-Idee für das Café, dass die Leute gemütlich zusammensitzen, sich austauschen und miteinander reden können. Und ich fand es richtig gut, dass so viele Gespräche stattfanden. Es trafen sich Menschen, die sich einerseits ohnehin gut kennen, und andererseits auch bisher vielleicht noch keinen so engen Kontakt hatten.
Frage: Gab es denn nur die Gespräche untereinander oder gab es auch Informationen für die Gäste?
Helga: Ja, unser Bürgermeister hat Informationen weitergegeben und er hatte das Ganze auch eröffnet. Wir hatten ihn gebeten, das zu tun, denn er hat dazu den allerbesten Überblick. Es wurde über Feuerwehr, Angler, Yoga, Lesekreis, Boule und Nähzirkel gesprochen, aber auch über Vorhaben der Gemeinde. Es ist doch eine ganze Menge, was inzwischen in der Dorfgemeinschaft passiert. Wir haben uns auch Gedanken gemacht, was wir an einem der nächsten Termine so machen können. Ich würde auch gerne den Kindergarten einbinden.
Frage: Also man merkt schon, es gibt da noch viele Ideen und ihr habt da noch etliche Vorhaben für die nächsten Veranstaltungen im Sack?
Helga: Oh ja, da stecken noch viele Ideen drin und es haben sich diesmal auch einige Mitbürger gemeldet, die gerne bei den nächsten Veranstaltungen mithelfen wollen. Auch unsere jetzigen Helfer sind bereit, bei den nächsten „Wintercafés“ mitzuwirken. Wir werden in Kürze einen Plan ausarbeiten, wann wer mithelfen will. So können wir die Arbeit sehr gut aufteilen.
Frage: Hast du eine Resonanz erhalten, wie ist das erste „Wintercafé“ in Seehof angekommen?
Helga: Bei mir persönlich nicht, nur über Dritte. Aber das kann noch kommen, denn wir werden ja immer bekannter.
Frage: Wie soll es weitergehen?
Helga: Ich finde, es sollte so weitergehen, also ohne Anmeldungen. Es soll jeder kommen, der Lust hat und auch wann und wie lange er bleiben will. So als würde man in ein „normales“ Café gehen.
Frage: Darf man von Highlights sprechen? Was waren aus deiner Sicht also die Höhepunkte dieser ersten Veranstaltung?
Helga: Das erste Café ging über zwei Stunden. Für mich und die ganze Gruppe war einfach der Erfolg, dass die Leute sich so gefreut und lange miteinander gesprochen haben. Es waren über dreißig Gäste. Wir haben das erste Ziel erreicht.Viele alleinstehende Männer waren nicht da. Da habe ich schon überlegt, wie kriegt man die jetzt noch hinterm Ofen vor gelockt? Und worüber wir auch noch nachdenken wollen: Es gibt auch Leute, die es schwer haben zu dem Café zu kommen und die vielleicht abgeholt werden müssen. Aber das werden wir mit dem Bürgermeister noch mal besprechen. Der hat da einen guten Überblick.
Frage: Gab es irgendetwas Besonderes, eine Schwierigkeit, die ihr überwinden musstet, eine besondere Herausforderung?
Helga: Nein, eigentlich nicht. Wir müssen uns fürs nächste Mal wieder eine andere Tischdekoration ausdenken. Diesmal hatten wir noch ein bisschen Herbst, Weihnachten wollten wir noch nicht, aber das nächste Mal wird es vielleicht etwas winterlich.
Frage.: Wie erfolgt eigentlich die Finanzierung des Vorhabens?
Helga: Dazu gibt es zweierlei zu sagen. Als Erstes hat uns die Gemeinde unterstützt. Wir konnten den großen Saal nutzen und wir haben mit deren Hilfe Kaffee, Milch und ein paar Kekse gekauft. Gebraucht haben wir dafür unter fünfzig Euro, das ist wirklich nicht zu viel für solch einen Nachmittag! Der ganze Kuchen wurde allerdings großzügig gespendet von anderen Mitbürgern, die ihn selbst gebacken hatten.
Frage: Gab es irgendwelche Erkenntnisse aus dieser ersten Veranstaltung, Dinge die man vielleicht besser machen müsste?
Helga: Ich würde es genauso wieder machen. Ich habe die Idee, das nächste Mal noch einen Tisch zusätzlich aufzubauen, an dem man ein paar Spiele machen kann und den Tisch mal wechseln kann. Bei unserer ersten Veranstaltung wurden überhaupt keine Tische gewechselt. Alle haben so viel miteinander gesprochen, dass es gar nicht notwendig war.
Frage: Können sich andere Bürger auch an diesem Projekt beteiligen?
Helga: Es gab diese Art Idee vor einigen Jahren schon einmal. Ich habe jetzt die Initiative ergriffen, denn ich finde schon, dass einer irgendwie den Hut aufhaben muss. Es waren aber auch fünf weitere Aktive dabei, vorwiegend alle aus einer Bürgerinitiative der Gemeinde. Mit denen haben wir vorher Tische und Stühle gestellt und eingedeckt, Kaffee gekocht und Kuchen geschnitten. Wir waren ein gut eingespieltes Team. Wir haben schon scherzhaft gesagt, wenn wir mal nichts Besseres zu tun haben, dann machen wir ein Café auf.
Frage: Wie würdest du diese Veranstaltung jetzt genau definieren? War das eine Gemeindeveranstaltung oder eine bürgerliche Initiative? Oder ist das für dich gar nicht so wichtig?
Helga: Nein, diese Frage ist für mich wirklich nicht so vorrangig. In den vergangenen Jahren hieß es immer, die Bürgerinitiativen in der Gemeinde sind nach außen nicht so sichtbar. Deshalb ist es einfach wichtig und richtig, dass dort etwas gemacht wird für die Bürger in der Gemeinde, dass da etwas passiert.
Frage: Für die Gäste des „Wintercafés“ ist alles kostenlos gewesen. Die Gemeinde und einige Bürger haben dafür gesorgt, dass Kaffee und Kuchen gespendet wurde, soll das immer so bleiben?
Helga: Ich könnte mir vorstellen, dass ein geringer Betrag, in welcher Form auch immer, eingenommen werden kann, um in Zukunft einzukaufen. Mit diesen Mitteln könnte dann vielleicht am Saisonende etwas Größeres organisiert werden. Darüber müssen wir noch mal in aller Ruhe nachdenken. Also die Frauen die Kuchen gebacken haben sagten uns, dass sie dafür kein Geld haben möchten.
Frage: Hast du eine Botschaft für die Leser dieses Interviews, eine Schlussfolgerung aus dieser ersten Veranstaltung?
Helga: Das ist jetzt eine schwierige Frage. Ich würde mir vielleicht wünschen, dass diese Möglichkeit zum „Wintercafé“ zu kommen noch mehr Verbreitung findet, dass die Nachbarn sich gegenseitig auf die kommenden Termine aufmerksam machen. Wir wollen von Januar bis einschließlich März das Wintercafé jeweils am 2.und 4. Freitag des Monats öffnen.
Letzte Frage: Wie kann man dich oder dieses Projekt erreichen? Wie können Bürger, die Interesse haben mitzumachen, euch unterstützen?
Helga: Auf den nächsten Plakaten werden Telefonnummern und Ansprechpartner zu lesen sein. Jeder kann sich dort melden. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen! Auf alle Fälle kann man mich immer erreichen und ich gebe hier meine Telefonnummer 0176 99120525 bekannt.
Liebe Helga, herzlichen Dank für dieses lange und interessante Gespräch und viel Erfolg für dich und alle jetzigen und zukünftigen Mitstreiterinnen!
